Wir nennen es Politik! Und: „Der Kompromiss ist der Kern der Demokratie.“ •  

Montag, den 18.12.2017 um 19.30 Uhr Stadtbücherei Münster, Lesesaal, Alter Steinweg 11, 48143 Münster •

Marina Weisband – Foto: CC-BY Bastian Bringenberg

Diskussion mit

Marina Weisband, Diplom-Psychologin und in der politischen Bildung aktiv und

Prof. Norbert Kersting, UNI Münster, Politikwissenschaftler •

Moderation: Josefine Paul, Mitglied des Landtags NRW, Bündnis 90/Die Grünen •

Die Veranstaltung wird von „debatte e.V.“ in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung NRW organisiert. •

Der Eintritt ist frei, Sitzplatzreservierung  wird sehr empfohlen: info@debatte-muenster.de

Nach der Bundestagswahl und dem Scheitern der Sondierungsgespräche über die Bildung einer schwarz-gelb-grünen Koalition auf Bundesebene erscheint die Bildung einer

Norbert Kersting – Portrait Jun.-Prof. Judith Christiane

Großen Koalition von CDU und SPD plötzlich wieder als realistische Option. Jedenfalls nimmt der öffentliche Druck auf die SPD zu, ihre Entscheidung gegen eine Neuauflage der GroKo zurückzunehmen und sich der „Regierungsverantwortung“ zu stellen – auch wenn die Vorbehalte gegenüber einer Fortsetzung des bisherigen Regierungsbündnisses in der SPD groß sind. Die Frage nach Minderheitsregierung oder Neuwahlen gerät demgegenüber aktuell eher in den Hintergrund.
Die Irritationen sind auf allen Seiten des politischen Betriebs groß. Wird damit die Politikverdrossenheit oder die Parteienverdrossenheit in der Öffentlichkeit verstärkt?

„Der Kompromiss ist der Kern der Demokratie“ sagte Heribert Prantl vor kurzem in einem Videostatement. „Das Politikverständnis ist ziemlich konsumistisch geworden. Man erwartet, dass eine Partei zu hundert Prozent die eigene Meinungspalette abdeckt“ so Juli Zeh etwas früher in der Zeit und taz. Und Ralf Dahrendorf sagte vor langer Zeit: „Was nicht kontrovers ist, ist nicht der Rede wert.“

Also wären Streit und Kontroversen was Sinnvolles und sollten nicht negativ besetzt werden? Um Kompromisse muss man ringen und das kann manchmal etwas länger dauern. Juli Zeh ruft gleichzeitig dazu auf, nicht nur als Zuschauer daneben zu stehen und die politischen Auseinandersetzungen zu beobachten, sondern sich aktiv an ihnen zu beteiligen.

Das wollen wir mit Marina Weisband und Norbert Kersting diskutieren.

Marina Weisband, ehemals politische Geschäftsführerin und Mitglied des Bundesvorstands der Piratenpartei, sieht eine allgemeine Verunsicherung quer durch alle Schichten über den Wandel und die Veränderung der Gesellschaft. Gleichzeitig bietet diese Verunsicherung die Chance zu positiven Zukunftsvisionen: Die Angst, nicht mehr über die eigenen Geschicke bestimmen und entscheiden zu können, soll zu der Frage führen, wie die Gesellschaft von morgen denn aussehen soll. Ziel soll es danach sein, nicht nur Probleme zu artikulieren, sondern Lösungsvorschläge zu diskutieren, Kompromisse zu formulieren und deutlich zu machen, was es dabei zu gewinnen gibt.
Sie engagiert sich bei politik-digital e.V. im Rahmen des sog. Aula-Projektes, das demokratische Beteiligung in Schulen wieder stärker verankert will: Die Schülerinnen und Schüler – und letztlich alle Bürger – sollen sich nicht als Konsumenten, sondern als Gestalter der Gesellschaft fühlen und durch verbindliche demokratische Beteiligung ihr Selbstwirksamkeitsgefühl steigern können.
Es geht ihr also um verbindliche Beteiligungsmöglichkeiten, nicht aber um den Abbau von parlamentarischer Demokratie. Verantwortung lernt nur, wer Verantwortung trägt.

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Marina Weisband
Marina Weisband (Jahrgang 1987) ist Diplom-Psychologin und in der politischen Bildung aktiv. Sie ist eine erfahrene Rednerin in den Bereichen politische Partizipation, Privacy, digitale Gesellschaft, Medien und Krisen. Sie leitet das Aula-Projekt zur Schülerpartizipation und spricht bei Veranstaltungen und in öffentlichen Medien über ihre Arbeit und Themen wie Konfliktsituationen in postsowjetischen Regionen. Nebenbei beschäftigt sie sich heimlich halbprofessionell mit Kunst, Schauspielerei und Musik. Ihr Wohnort ist der ICE zwischen Münster und Berlin. Sie denkt auf englisch, russisch und deutsch und ist daher manchmal ein bisschen verwirrt.
Mehr zu Marina Weisband:
http://marinaweisband.de/
https://de.wikipedia.org/wiki/Marina_Weisband
http://www.bing.com/videos/search?q=marina+weisband&qpvt=Marina+Weisband&FORM=VDRE
https://www.facebook.com/marinaweisband
https://rostekj.com/2017/10/06/lange-reden-hart-gekuerzt-im-video-von-joergel/
Veröffentlichungen: Wir nennen es Politik: Ideen für eine zeitgemäße Politik

Norbert Kersting
Prof. Dr. Norbert Kersting (Jahrgang 1961) ist ein deutscher Politikwissenschaftler und Professor für „Vergleichende Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Kommunal- und Regionalpolitik“ am Institut für Politikwissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster.
Er forscht schwerpunktmäßig über Formen der politischen Beteiligung (Online und Offline) – u. a. auf kommunaler Ebene. Er ist Vorsitzender des Research committees „Lokalpolitik“ beim Internationale Politologenverband (IPSA) und Sprecher der Arbeitsgruppe „Internet und Politik“ des deutschen Politologenverbandes. Weiterhin ist er Jurymitglied des „Weltforums für Demokratie“ des Europarates und u. a. Mitglied im Beirat für kommunale Entwicklungszusammenarbeit der Stadt Münster.
Mehr zu Norbert Kersting:
https://de.wikipedia.org/wiki/Norbert_Kersting
http://www.wn.de/Specials/Kommunalwahl/2014/02/1448378-Prof.-Norbert-Kersting-nimmt-am-WN-Wahlsager-teil-Gegen-die-Heimatlosigkeit
https://vimeo.com/15807398
http://www.springer.com/de/book/9783658073206
Veröffentlichungen:
Die Zukunft der lokalen Demokratie. Modernisierungs- und Reformmodelle, Frankfurt: Campus, 2004.
Politische Beteiligung. Einführung in dialogorientierte Instrumente politischer und gesellschaftlicher Partizipation (Hrsg.), Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften, 2008.
Vom Musterwähler zum Wutbürger. Politische Beteiligung im Wandel, Münster: Aschendorf, 2012.
Urbane Innovation (Hrsg.), Berlin: Springer, 2017.

debatte e.V.: Dem Verein geht es um die grundsätzliche Auseinandersetzung mit zentralen Fragen der gesellschaftlichen Entwicklung und hält bewusst Distanz zum tagespolitischen Geschäft. Wir wollen Überlegungen und Diskussionen in Gang setzen, auch wenn diese unbequem und unpopulär sind. Wir wollen uns auch den Problemen offen nähern, wo bislang Funkstille und Unsicherheit herrscht. Wie diese Debatten auch Politik tauglich gemacht werden oder diese aussehen kann und soll, wollen wir in Münster mit interessierten BürgerInnen diskutieren. Mehr unter http://www.debatte-muenster.de

Heinrich Böll Stiftung NRW: Die Heinrich-Böll-Stiftung steht der Partei Bündnis 90/ Die Grünen nahe und arbeitet in rechtlicher Selbständigkeit und geistiger Offenheit. Die Landesstiftungen innerhalb der Heinrich-Böll-Stiftung sind die Träger der regionalen politischen Bildungsarbeit. Mehr unter http://www.boell-nrw.de

Montag, 18.12.2017, 19:30 Uhr – Wir nennen es Politik!

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