Vortrag und Publikumsgespräch mit Charlotte Wiedemann, Auslandsreporterin und Buchautorin aus Berlin, gemeinsam veranstaltet mit dem Initiativkreis Nahost.

Charlotte Wiedemann (Foto: Anette Daugardt, © Ch. Wiedemann)

„Israel und seine sichere Existenz haben für Deutschland aufgrund seiner Geschichte einen besonderen Rang. Aber diese Bindung hat etwas Tragisches, solange Israel Völkerrecht flagrant verletzt – und darüber zu sprechen, macht die Erinnerungskultur glaubwürdiger.“ Das schrieb die renommierte Auslandsreporterin und Buchautorin Charlotte Wiedemann (Berlin) schon vor dem Überfall der Hamas auf Israel vom 7. Oktober 2023. Und weiter: „Wir müssen die Shoah im Zentrum unserer Verantwortung halten. Aber wer die Shoah benutzt, um anderes Leid zu degradieren, hat ihre wichtigste Lehre nicht verstanden.“ Diese Aussagen sind ihrem Buch Den Schmerz der anderen begreifen. Holocaust und Weltgedächtnis (2022) entnommen.

Auf Einladung des Initiativkreises Nahost, der Volkshochschule Münster und des Vereins Debatte Münster e.V. spricht Charlotte Wiedemann am Montag, den 26. Januar im VHS-Forum (Aegidiimarkt) über die polarisierte Debatte, die seit dem Hamas-Überfall und dem israelischen Krieg in Gaza entstanden ist. Sie problematisiert den Verlust an Glaubwürdigkeit, der in der Erinnerungskultur eingetreten ist, denkt historische Verpflichtung und internationales Recht zusammen und erörtert das Konzept „Ein Land für alle“. Dazu zählt eine kritische Bewertung von Narrativen zur Geschichte des Zionismus und des palästinensischen Kampfes um Selbstbestimmung.

Charlotte Wiedemann berichtet als Auslandsreporterin seit vielen Jahren über Gesellschaften Asiens und Afrikas. Ihre sieben Bücher prägt, wie einer der Titel lautet, „der Versuch, nicht weiß zu schreiben“: das Bemühen, über eine eurozentrische Betrachtung der Welt hinauszugehen. Im jüngsten Buch „Den Schmerz der Anderen begreifen“ bringt sie ihre internationalen Erfahrungen in Dialog mit ihrer langjährigen Beobachtung des deutschen Umgangs mit dem Nationalsozialismus. Zu diesem Thema publiziert sie, mit Unterbrechungen, seit den westdeutschen frühen 1980er Jahren.

Ursprünglich hat sie in Göttingen Erziehungswissenschaften, Soziologie und Politik studiert und später in Hamburg eine Ausbildung zur Journalistin absolviert. Sie war lange in der Ausbildung von JournalistInnen tätig und hält weiterhin Vorträge an Universitäten und Bildungsstätten. Sie ist taz-Kolumnistin und veröffentlicht Longreads in Le Monde Diplomatique, zuletzt zu Traumatisierungen in der syrischen Gesellschaft, zu Genozid-Erinnerungen in Namibia und zu Spaltungen im südafrikanischen Judentum. Sie gehört dem Wissenschaftlichen Beirat des Leibniz-Zentrums Moderner Orient (Berlin) und dem Kuratorium der Medico International Stiftung an.

Jenseits der Staatsraison – Israel, Palästina und die Vision menschlicher Gleichheit
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