Dienstag, 17. Sept. 2013, 19.30 Uhr, Lesesaal der Stadtbücherei, Alter Steinweg 11, 48143 Münster |

Ein Streitgespräch zwischen dem profilierten Kritiker des deutschen Gesundheitswesens, Dr. Werner Bartens, dem Präsidenten der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Theodor Windhorst, und der Bundestagsabgeordneten Maria Klein-Schmeink, moderiert von Heiner Wember.

Noch vor kurzem mussten sich die Krankenhäuser in Deutschland einer großen öffentlichen Debatte um unnötige Operationen und schlechte Behandlungsergebnisse stellen. Der Vorwurf: Um ihre betriebswirtschaftlichen Ergebnisse zu sichern, würden die Krankenhausärzte medizinisch nicht begründete und lukrative Operationen durchführen, statt Patienten auf andere, schonendere Verfahren zu verweisen.

Die niedergelassenen Kollegen sehen sich mit Vorwürfen konfrontiert, Privatversicherte bei der Vergabe von Terminen bevorzugt zu behandeln und ihnen eine Vielzahl unnötiger und teurer Diagnose- und Therapieverfahren anzudrehen. Auch der Markt der sogenannten IGel-Leistungen, also Behandlungen, die von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt werden, weil ihr medizinischer Nutzen nicht belegt ist, boomt.

Was läuft falsch im Gesundheitswesen? Ist die Medizin nur noch ein Gesundheitsmarkt, in dem Patientinnen und Patienten nur noch als Cashcow benutzt werden, und welche Therapievorschläge gibt es, damit Ärzte wieder ihrem eigentlichen Heilauftrag nachkommen können?

Werner Bartens sieht das Vertrauen der Patienten durch den zunehmenden Kommerz zerstört. Er kritisiert eine massive Über- und Fehlversorgung aufgrund von falschen ökonomischen Anreizen.

Theodor Windhorst meint, dass Ökonomie und Medizin keine Gegensätze seien. Beides habe seine Berechtigung, solange die Ökonomie nicht zulasten des Patienten gehe. Ein guter Arzt sei der, der ökonomische Verantwortung in der Patientenversorgung trage, sich aber gleichzeitig aktiv einer Kommerzialisierung der Medizin entgegenstelle.

Maria Klein-Schmeink sieht die gesundheitliche Versorgung als wesentlichen Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge, weil es um existentielle Fragen um Leib und Leben geht. Gesundheitsmarkt und der reine Preiswettbewerb seien nicht geeignet, um die bestehenden Über-, Fehl- und Unterversorgung zu beseitigen, und noch weniger, um mit den Folgen des demografischen Wandels klar zu kommen. Politik muss ihrer Meinung mehr sektorübergreifende Versorgung zu Gunsten der Patientinnen und Patienten ermöglichen und diese besser honorieren. Rein mengengesteuerte Vergütungssysteme sind ihrer Meinung nach der falsche Weg. Qualität und Patientenorientierung müssen in Zukunft eine größere Rolle spielen. Sie will außerdem mehr Entscheidungen in die Regionen übertragen, die Patientinnen und Patienten sowie regional demokratisch legitimierte Ebenen dabei stärker einbezogen werden.

Dr. med. Werner Bartens ist leitender Redakteur im Wissenschaftsressort der Süddeutschen Zeitung und regelmäßig Autor für das SZ-Magazin. Er wurde mehrfach mit renommierten Journalistenpreisen ausgezeichnet. 2009 ist Bartens von einer 50-köpfigen Jury aus Print-, Rundfunk- und Online-Journalisten zum „Wissenschaftsjournalisten des Jahres“ gewählt worden, 2012 wurde er erneut ausgezeichnet. Einer seiner Schwerpunkte ist die kritische Auseinandersetzung mit der Medizin. 2012 ist sein Buch „Heillose Zustände ­ warum die Medizin die Menschen krank und das Land arm macht“ (Droemer) erschienen. Werner Bartens hat damit eine überfällige Debatte über das Gesundheitswesen angestoßen.

Dr. med. Theodor Windhorst: Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe seit 2005, Mitglied in mehreren Fachausschüssen der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen BundesVereinigung; Chirurg und Chefarzt des interdisziplinären Lungenzentrums Bielefeld Mitte, Vorsitzender des Ausschusses GOÄ (Gebührenordnung) bei der BÄK (Bundesärztekammer); Vorsitzender des Fachbeirats DSO (Deutsche Stiftung Organspende) Region NRW und Mitglied im DSO Bundesfachbeirat; Mitglied des Vorstands der Krebsgesellschaft Nordrhein-Westfalen e.V. und im Aufsichtsrat des Epidemiologischen Krebsregisters

Maria Klein-Schmeink: Soziologin, Bundestagsabgeordnete und Mitglied des Gesundheitsausschusses; Sprecherin für Prävention und Patientenrechte der Grünen Fraktion.

Heiner Wember ist Dozent sowie Radio- und Fernsehjournalist für WDR, ARD und ZDF.

Eintritt ist frei. Sitzplatzreservierung bitte per E-Mail.

Wieviel Kommerz verträgt der Patient? – Ärzte und Krankenhäuser zwischen Heilauftrag und Ökonomie
Markiert in:     

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.